Ratgeber

Wie viele Dolmetscher und Kabinen braucht mein Anlass?

Wie viele Dolmetscher ein Anlass braucht, hängt vor allem von der Zahl der Zielsprachen ab: Pro Zielsprache rechnen Sie mit einer Kabine und mindestens zwei Dolmetschern, die sich etwa jede halbe Stunde abwechseln. Diese Übersicht stammt von der Event-Solution AG aus Münchenbuchsee bei Bern, die Dolmetschertechnik in der ganzen Schweiz liefert.

Mindestens zwei pro Kabine
Wechsel etwa jede halbe Stunde
Eine Kabine pro Zielsprache
Relais bei vielen Sprachen
Prix LITRA im Bellevue Palace Bern

Wie viele Dolmetscher braucht ein Anlass? Die Grundregel

Beim Simultandolmetschen übertragen Dolmetscherinnen und Dolmetscher eine Rede fast zeitgleich in eine andere Sprache. Zuhören, verstehen und sprechen laufen gleichzeitig. Diese Konzentration hält niemand stundenlang am Stück.

Deshalb gilt die Regel des Berufsverbands AIIC Schweiz: Pro Sprache und Kabine arbeiten mindestens zwei Simultandolmetscher. Sie wechseln sich etwa jede halbe Stunde ab. Wer gerade nicht spricht, bleibt in der Kabine, hört mit und unterstützt, zum Beispiel beim Notieren von Zahlen und Namen oder beim Suchen der richtigen Unterlage.

Für die Planung heisst das: Sie zählen zuerst die Kabinen und verdoppeln dann. Wie viele Dolmetscher Ihr Anlass braucht, ergibt sich also fast direkt aus der Zahl der Kabinen. Bei sehr langen Tagen, dichten Programmen oder schwierigen Fachthemen kann ein Team auch grösser sein. Das entscheiden die Dolmetscher, die den Auftrag übernehmen.

Anzahl Kabinen: eine pro Zielsprache

Für die Anzahl Kabinen zählen die Zielsprachen. Die Sprache am Rednerpult heisst Ausgangssprache, die Sprache, in die gedolmetscht wird, Zielsprache. Für jede Zielsprache gibt es eine Kabine. Bei den Kanälen auf dem Empfänger zählen dagegen alle Sprachen im Saal, auch die Sprache am Rednerpult. Denn Fragen aus dem Publikum kommen oft in einer anderen Sprache und müssen in die Sprache am Rednerpult gedolmetscht werden. Dafür braucht es einen eigenen Kanal.

Entscheidend ist, in welche Richtung übersetzt wird:

  • In eine Richtung: Alle Reden sind auf Deutsch, ein Teil des Publikums möchte Französisch hören. Es braucht eine Kabine für Französisch. Wer Deutsch versteht, hört die Reden ohne Empfänger. Kanäle braucht es trotzdem zwei: Fragt ein Mitglied auf Französisch nach, wird die Frage ins Deutsche gedolmetscht.
  • In beide Richtungen: Am Rednerpult wird Deutsch und Französisch gesprochen, das Publikum ist gemischt. Jetzt sind beide Sprachen Zielsprachen. Klassisch sind dann zwei Kabinen im Einsatz: Spricht eine Rednerin Französisch, arbeitet die deutsche Kabine, spricht sie Deutsch, arbeitet die französische.

Bei zwei Sprachen arbeiten manche Teams auch aus einer einzigen Kabine in beide Richtungen. Ob das passt, hängt von den Arbeitssprachen der Dolmetscher, vom Thema und von der Dauer ab. Klären Sie das direkt mit den Dolmetschern.

Beispiele: Dolmetscher und Kabinen auf einen Blick

AnlassZielsprachenKabinenDolmetscher mindestensKanäle
Generalversammlung auf Deutsch, ein Teil der Mitglieder hört FranzösischFranzösisch122
Tagung mit Reden auf Deutsch und Französisch, gemischtes PublikumDeutsch, Französisch242
Kongress auf Englisch, Übersetzung für Gäste auf Deutsch und FranzösischDeutsch, Französisch243
Nationaler Anlass mit Deutsch, Französisch und Italienisch, alle in alleDeutsch, Französisch, Italienisch363
Internationale Konferenz mit Deutsch, Französisch, Italienisch und Englischalle vier484

Die Tabelle zeigt die Mindestbesetzung.

Zwei Hinweise zu den Beispielen. Beim Kongress auf Englisch braucht es drei Kanäle, obwohl nur zwei Kabinen arbeiten: Kommen Fragen aus dem Publikum auf Deutsch oder Französisch, muss die Rednerin sie auf Englisch hören. Wie die Kabinen das unter sich aufteilen, klären Sie mit den Dolmetschern. Und bei drei oder vier Sprachen versteht nicht jede Kabine jede Ausgangssprache. Dann kommt das Relais ins Spiel.

Relais Dolmetschen bei drei und mehr Sprachen

Beim Relais Dolmetschen hört eine Kabine nicht direkt die Rednerin, sondern die Übersetzung einer anderen Kabine. Ein Beispiel: Ein Redner spricht Italienisch. Die französische Kabine dolmetscht direkt ins Französische. In der deutschen Kabine hat niemand Italienisch als Arbeitssprache. Sie hört deshalb die französische Fassung und dolmetscht von dort ins Deutsche.

Das Relais ist an mehrsprachigen Konferenzen üblich, hat aber Folgen:

  • Die Übersetzung kommt mit etwas mehr Verzögerung beim Publikum an.
  • Ungenauigkeiten der ersten Kabine gehen in die zweite über.
  • Die Dolmetscherpulte müssen den Ton anderer Kabinen empfangen können. Professionelle Pulte können das, einfache Lösungen nicht immer.

Manchmal dolmetscht eine Kabine bewusst aus ihrer Muttersprache in eine Fremdsprache, damit andere Kabinen davon ein Relais nehmen können. Das nennt man Retour. Sie müssen das nicht selbst planen. Wichtig ist, dass die Dolmetscher früh wissen, welche Sprachen am Rednerpult und im Publikum vorkommen. Dann stellen sie das Team so zusammen, dass jede Sprache abgedeckt ist.

Wann Flüsterdolmetschen reicht

Beim Flüsterdolmetschen sitzt die Dolmetscherin neben wenigen Zuhörenden und dolmetscht leise simultan. Es braucht keine Kabine und keine Anlage. Das passt, wenn nur einzelne Gäste eine Übersetzung brauchen, etwa eine kleine Delegation an einer sonst deutschsprachigen Sitzung.

Mit einer Flüsteranlage (Tourguide System) spricht die Dolmetscherin leise in ein Mikrofon, und die Zuhörenden tragen Empfänger mit Ohrhörern. So erreicht sie eine etwas grössere Gruppe, auch unterwegs, zum Beispiel bei Führungen und Werksbesichtigungen. Flüsteranlagen gibt es über tourguidemieten.ch, per Post oder zum Abholen in Zollikofen.

Die Grenzen: Ohne Kabine hört die Dolmetscherin alle Geräusche im Raum, und ihre Stimme stört die Sitznachbarn. Für lange Tage und für mehrere Sprachen ist Flüsterdolmetschen nicht gedacht. Auch hier arbeiten bei längeren Einsätzen in der Regel zwei Dolmetscher, die sich abwechseln. Eine weitere Möglichkeit ohne Kabine ist das Konsekutivdolmetschen: Die Rednerin spricht einen Abschnitt, danach überträgt die Dolmetscherin. Das verlängert das Programm aber deutlich. Einen ausführlichen Vergleich der Geräte finden Sie im Ratgeber Flüsteranlage, Simultananlage oder App?

Was das für die Technik bedeutet

Dolmetscherkabinen

Jede Kabine braucht freie Sicht auf Rednerpult und Leinwand, einen ruhigen Platz im Saal, Strom und Lüftung. Mobile Dolmetscherkabinen lassen sich auch in Sälen ohne feste Kabinen aufstellen, sofern genug Platz da ist. Für mobile Kabinen gilt die Norm EN ISO 17651-2, die 2024 die frühere ISO 4043 ersetzt hat. Feste Kabinen regelt EN ISO 17651-1.

Empfänger und Dolmetscheranlage

Die Übersetzung gelangt über eine Dolmetscheranlage zu den Gästen. Bei Infrarot bleibt das Signal im Raum und ist abhörsicher. Jeder Gast, der eine Übersetzung braucht, erhält einen Empfänger mit Kopfhörern und wählt dort den Kanal seiner Sprache. Planen Sie die Zahl der Empfänger nach den Gästen, die eine Übersetzung brauchen, und rechnen Sie eine Reserve ein.

Mikrofone und Konferenzanlage

Dolmetscher hören nur, was über ein Mikrofon in die Anlage kommt. Jede Rednerin, die Moderation und jede Frage aus dem Publikum braucht deshalb ein Mikrofon. Auch der Ton von Videos muss in die Kabinen geführt werden. Bei Diskussionen mit vielen Wortmeldungen hilft eine Konferenzanlage mit Sprechstellen am Tisch: Jede Wortmeldung kommt so klar in den Kabinen an.

Unterlagen

Präsentationen, Redetexte und das Programm sollten rechtzeitig vor dem Anlass bei den Dolmetschern sein. Fachbegriffe, Namen und Zahlen lassen sich so vorbereiten.

Technik und Dolmetscher aus einer Hand

Bei der Event-Solution AG kommen Kabinen, Dolmetscheranlage, Empfänger und Mikrofone aus einer Hand, betreut von eigenen Technikern vor Ort. Dafür stehen über 1'000 Empfangsgeräte und bis zu 32 Kanäle bereit. Auf Wunsch empfehlen oder vermitteln wir die Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Beispiele sind der Recycling Kongress im Kongresshaus Biel und die Generalversammlung von Küche Schweiz im Volkshaus Biel, beide mit Simultanübersetzung. Mehr zur Technik finden Sie unter Simultanübersetzung. Fragen zur Planung Ihres Anlasses beantworten wir gerne über die Anfrage.

Anfrage

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FAQ

Häufige Fragen

Mindestens zwei Dolmetscher pro Sprache und Kabine, die sich etwa jede halbe Stunde abwechseln. So empfiehlt es der Berufsverband AIIC Schweiz. Bei zwei Zielsprachen sind es also mindestens vier Dolmetscher, bei drei Zielsprachen mindestens sechs.

Etwa eine halbe Stunde. Dann übernimmt die Kollegin oder der Kollege in derselben Kabine. Längere Einsätze ohne Wechsel gehen auf Kosten der Qualität.

Wird nur in eine Richtung übersetzt, reicht eine Kabine. Wird in beide Richtungen übersetzt, sind klassisch zwei Kabinen im Einsatz. Manche Teams arbeiten bei zwei Sprachen auch aus einer Kabine in beide Richtungen. Das entscheiden die Dolmetscher.

Beim Relais hört eine Kabine nicht den Redner direkt, sondern die Übersetzung einer anderen Kabine und dolmetscht von dort weiter. Das ist an Anlässen mit drei oder mehr Sprachen üblich. Die Übersetzung kommt dabei etwas später an.

So viele, wie Gäste eine Übersetzung brauchen, plus eine Reserve. Wird nur in eine Richtung übersetzt, brauchen Gäste, welche die Ausgangssprache verstehen, keinen Empfänger. Bei einer Übersetzung in beide Richtungen braucht fast jeder Gast einen, weil die Sprache am Rednerpult wechselt.

Ja, auf Wunsch empfehlen oder vermitteln wir Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Die Technik, also Kabinen, Dolmetscheranlage, Empfänger und Mikrofone, liefern wir mit eigenen Technikern.